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Tagungen

Celan in Europa - drei Tagungen in der Villa Vigoni

Celan in Europa
Trinationale Perspektiven auf philologische Traditionen und Konflikte
Trilaterale Forschungskonferenzen in der Villa Vigoni 2021-2023,
Auftaktsymposion: 10.-13.06.2021

Christoph König (Osnabrück), Elena Polledri (Udine) und Werner Wögerbauer (Nantes) veranstalten, unterstützt von Michael Woll (Marbach/Paris) und Clément Fradin (Paris), in der Villa Vigoni eine Serie von drei internationalen und interdisziplinären Symposien in den Jahren 2021, 2022 und 2023 im Rahmen der Programmlinie ‚Trilaterale Forschungskonferenzen‘. Das Programm wird gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Fondation Maison des Sciences de l’Homme (Paris) und der Villa Vigoni (Italien) getragen. 

Die Tagungen sind dem Thema ‚Paul Celan in Europa. Trinationale Perspektiven auf philologische Traditionen und Konflikte‘ gewidmet. Das Jubiläumsjahr bietet den Anlass, die Lektüre der Gedichte und Übersetzungen in einer trinationalen Perspektive zu erneuern. Die Serie sollte im Oktober 2020 beginnen und wurde aufgrund der Pandemieeinschränkungen um ein Jahr verschoben.

Paul Celan, dessen 50. Todestag und 100. Geburtstag sich 2020 jähren, gilt als Dichter und Übersetzer zwischen Ländern, Sprachen und Kulturen. Wie kaum ein Dichter der Nachkriegszeit reflektiert er in seinem Werk die Weltliteratur, die Literaturtraditionen und die Geschichte Europas, die ihm aus der Perspektive des jüdischen Dichters deutscher Sprache nach 1945 zur problematischen wie notwendigen Voraussetzung werden. Von der kritisch-produktiven Auseinandersetzung zeugt neben den Gedichten das übersetzerische Werk u.a. aus dem Englischen, Russischen, Französischen, Italienischen, Rumäni­schen und Hebräischen: Die Celan-Forschung ist nicht im Rahmen alter Paradigmen von ‚Nationalliteratur‘ zu denken, sondern immer schon als internationales Forschungsfeld. Zugleich hat sie zuletzt eine Erweiterung ihrer Materialgrundlagen erfahren, durch die Publikation von Nachlassbeständen (Bonner Ausgabe), biographischen Dokumentationen (Badiou, Wiedemann) und Briefwechseln (Bachmann, Szondi, Celan-Lestrange). Die materialgestützte Interpretation in der Nachfolge Szondis hat sich inzwischen durchgesetzt. 

Ins Zentrum der heutigen Celan-Forschung rückt damit die Frage, wie mit dem neuen Wissen umzugehen sei. Obwohl eine Autorenforschung der Ort sein kann, an dem die verschiedenen Interpretationsansätze zusammenkommen, dominieren in der Celan-Philologie zentrifugale Tendenzen. Das Fehlen einer Bibliographie, eine kaum mehr zu überschauende Zahl von Forschungsbeiträgen sowie ein frappierender Mangel an regelmäßigen Diskussionsforen haben dazu geführt, dass eine diskursive, international und interdisziplinär ausgerichtete Arbeit am Sinn der Gedichte wenig entwickelt, ja zunehmend in Zweifel gezogen worden ist.

Das Projekt will diese Schwierigkeit überwinden und in komparatistischer Perspek­tive nicht nur die Interpretation von Celans Werken voranbringen, sondern auch die Forschung in den Blick nehmen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um eine ‚Re-Philologisierung‘ sollen die Möglichkeiten der einzelnen Ansätze diskutiert werden, im Sinn einer trinationalen Komparatistik der Celan-Philologien, die einen Beitrag zu einer international orientierten Methodengeschichte leistet.

Die Analyse der Interpretationskonflikte bietet den Auftakt der Symposien: Die Ta­gung vom 10.-13.6.2021 trägt den Titel: ‚Celan-Interpretationen: Konstellationen und Konflikte‘. Als erste Begegnung fand am 22.9.2020 ein Videogespräch aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer statt – es war der offizielle Beginn des Projekts, zu dem die Generalsekretärin der Villa Vigoni, Frau Doktor Liermann, begrüßte. Auszüge aus den Begrüßungen und aus den Vorträgen der Veranstalter, die Fragen aufwerfen und erste Grundlagen geben, finden sich auf der Homepage der Villa Vigoni.

2022 wird die Übersetzung als Öffnungsfigur vorgestellt; die Tagung gilt dem Thema ‚Übersetzung im Transfer europäischer Philologien‘. Und die Tagung im Jahr 2023 stellt das Werk Celans in einen (literatur-)geschichtlichen Rahmen; sie trägt den Titel ‚Die (Literatur-)Geschichte Europas in Celans Werk‘. Ein neuer Diskursraum entsteht, in dem Traditionen der Celan-Forschung enggeführt und Grundfragen der literarisch-kritischen Hermeneutik vorangetrieben werden.

Hier finden Sie das Programm der Auftaktveranstaltung.

Goethe-Tagung in Cerisy

Unter dem Titel ›Goethe – L’actualité d’un inactuel‹ stand die von Prof. Christoph König gemeinsam mit Prof. Denis Thouard geleitete Tagung in Cerisy-La-Salle von 20.-27. August 2018.

Im Zentrum des Programms standen die Werke Goethes aus seinen späteren Schaffensperioden: Faust II, Wilhelm Meisters Wanderjahre, West-östlicher Divan, Epigramme, Natur- und kunstwissenschaftliche Schriften. Leitend war der Grundgedanke einer zweiten Autorschaft, und Ziel war zu verstehen, welche Formen die Kreativität annimmt, wenn die Werke in der Wiederaufnahme früherer eigener Werke, aber auch von Werken der Weltliteratur entstehen. Der Fokus auf die Kreativität wurde bestärkt durch die systematische Integration sogenannter ‚ateliers de lecture‘, die neben die Vorträge traten und in denen gemeinsam knappe Textpassagen oder einzelne Gedichte diskutiert wurden: Goethes Aufsatz ‚Über Laokoon‘ gehörten dazu, und ebenso die Gedichte ‚Hegire‘, ‚Anklang‘, ‚Offenbar Geheimnis‘ aus dem ‚West-östlichen Divan‘ sowie die Marienbader ‚Elegie‘ (1823) und Goethes Übersetzung des Rachegedichts von Ta’abbatta Scharran (das er in ‚Besserem Verständnis‘ aufnahm). Das abschließende ‚atelier‘ über Goethes Diderot-Übersetzungen und seine Vorbemerkungen dazu führte – im Gewand der Übersetzungsreflexion – Goethes Gedanken über das Verstehen vor und machte erneut deutlich, wie Goethes hermeneutische Reflexion auf die Produktionsprozesse selbst bezogen bleibt.

In den Vorträgen und Lektüre-Ateliers wurde ein neuer Goethe sichtbar. Dieser neue Blick verdankte sich wesentlich der Komposition der Teilnehmer: den Kern bildeten Goethe-Spezialisten, doch hinzu kamen ebenbürtig Vertreter anderer Philologien (Romanistik, Arabistik), Übersetzer, Künstler (das Gesprächskonzert über Lieder auf der Grundlage von Werken Goethes zeigte, dass die Komponisten wohl deutlicher als andere das Poetische realisierten) und Schriftsteller, ebenso Philosophen, die auf die ‚allgemeine‘ Bedeutung der Kreativität Goethes immer wieder hinlenkten.

Das Teilnehmerfeld war zudem international, die Teilnehmer kamen aus: Frankreich, Deutschland, Israel, den USA, Österreich, England, der Schweiz. Dass Französisch die maßgebliche Sprache der Vorträge und der Diskussionen war, erwies sich unverhofft auch insofern als Vorteil, als die Trennung der Sprache des Gegenstands und der Sprache der Betrachtung zu hermeneutisch günstigen Distanzierungen führte, die selbst wieder in der Diskussion bedacht wurden.

Das Echo der Teilnehmer war durchweg positiv: Die Goethe-Forscher sahen sich genötigt, ihre Vorstellungen zu verändern (Roland Krebs sprach von einem ‚colloque mémorable‘), und die anderen waren angetan von der Erweiterung ihrer (Wissens-)Horizonte. Am Ende fasste Adolf Muschg alles in einem Bild zusammen: Er sah eine Theatergesellschaft am Werk, die ein Stück aufführen sollte (mit dem Titel ‚Goethe-Kolloquium‘) und in der alle entschieden zu dem Gelingen beitragen wollten, schon alleine deshalb, weil man angesichts der Autorität, die über allem thronte (nämlich Goethe), keine Dummheiten sich erlauben durfte. Nikolaus Halmer hat mit den Teilnehmern während der Tagung Interviews geführt und daraus eine einstündige Sendung für den ORF gestaltet.

Hier finden Sie zwei Beiträge über die Tagung und insbesondere über den Vortrag von Prof. Werner Wögerbauer (Université de Nantes) über Goethes ›Römische Elegien‹: ein Bericht auf france culture und als Stream zum Nachhören.

Hören Sie hier die ORF-Sendung von Nikolaus Halmer.

Nietzsche-Lektüren Teil III – Tagung des Peter Szondi-Kollegs

Mit dem programmatischen Titel „Lektüren zu mehrt“ tagt das Peter Szondi-Kolleg vom 30.5. bis 3.6. im Nietzsche-Haus in Sils Maria (Engadin) und widmet sich nun zum dritten Mal Friedrich Nietzsche. Auf dem Programm steht beim diesjährigen Treffen der dritte Teil von Also sprach Zarathustra.

Geleitet wird der Workshop von Prof. Dr. Christoph König in Verbindung mit Prof. Dr. Mark-Georg Dehrmann (HU Berlin).

Das Programm der Tagung finden Sie hier.

Wann endet eine Interpretation?

Zur Vergleichbarkeit des Verstehens in den Philologien und in der Rechtswissenschaft
Tagung, 8. – 9. April 2014, Wissenschaftskolleg zu Berlin

Die Frage, wann eine Interpretation endet, impliziert die Frage, wann eine Interpretation beginnt und unter welchen Umständen es sich jeweils um eine Interpretation handelt, wenn man ›Interpretation‹ sagt. Erst dann könnte man von einem möglichen Ende präzise sprechen. Zur Beantwortung dieser Fragen beschreitet die Tagung nicht die bekannten Wege des Vergleichs zwischen den Wissenschaften, etwa die Suche nach einem gemeinsamen diskursiven bzw. kulturellen Raum, oder die Anwendung der einen Wissenschaft auf Gegenstände der anderen (Recht als Gegenstand der Literatur; Rechtsmethoden in der Literatur oder im literarischen Leben). In den Mittelpunkt soll vielmehr der Vergleich von Handlungen oder Konzepten in den beiden Wissenschaften rücken, d.h. der Applikationen oder Aktualisierungen von Rechtsnormen respektive einer literarischen Materialität in der Auslegung – mithin Praktiken des Verstehens.

Die Praxis gilt als Probierstein der Tagung. Die leitende Reflexion wird die jeweilige Eigenart der begrifflichen Reflexion prüfen: Der Verdacht besteht, dass Begriffe wie ›Interpretation‹, ›Hermeneutik‹, ›Methode‹, ›Regel‹ oder ›Urteil‹, die beide Wissenschaften gebrauchen, sich als faux amis erweisen. Wie in einem Experiment sollen die jeweiligen Kompetenzen der Disziplinen füreinander, d.h. für werkinterne Lektüren respektive für lebensräumliche Umsetzungen erprobt werden, auch hinsichtlich der Formen, Interpretationsprozesse zu beenden.

Die Praktiken des Verstehens werden in folgenden Praxisfelder überprüft: Prozesse der Urteilsfindung bzw. (für Literatur) der Sinnkonstruktion; die Legitimation der normativen Voraussetzungen bzw. die im ästhetischen Urteil (hier das Wort im literarischen Sinn gebraucht) begründete ›Klassizität‹; Kontexte in Form von Paralipomena (Literaturwissenschaft) bzw. Gesetzesmaterialien (Rechtswissenschaft); Reflexionsformen und entsprechende Institutionen der Disziplinen (Theoriediskussion, Rechtsdogmatik). Diese Praxisfelder und die an konkreten Beispielen vollzogene Analysen philologischer bzw. juristischer Handlungen (Fallstudien) bestimmen das Programm des Workshops. Weitere Informationen

From Weimar to Vienna

The Problem of Non-Discursive Thought from Goethe to Wittgenstein
TransCoop-Projekt der Alexander von Humboldt-Stiftung, 2011-2014

James Conant (Chicago University), David E. Wellbery (Chicago University) und Christoph König (Universität Osnabrück)

Der Gedanke Kants, daß Erkenntnis zugleich unmittelbar und begriffsgeleitet sein kann, ist der Sehepunkt unseres TransCoop-Projekts. Der Gedanke führte – nach Kant – Philosophie, Literatur und Wissenschaft dazu, in nicht-diskursiven Vermögen ihre eigenen Grundlagen zu erkennen. Wir wählen herausragende Momente, um die Geschichte und Wirkungskraft dieses Gedankens zu rekonstruieren: die Debatte zwischen Schiller und Goethe im Feld von Philosophie, Literatur und Philologie, Nietzsches Integration des Literarischen in sein Denken und des Denkens in seinen Stil, die literarische Moderne im Konflikt von klassischen Formen und gesteigerter Autoreflexion, Wittgensteins „Tractatus“ als (ethische) Stellungnahme zur Moderne, wo die Sätze einen Lernprozeß ermöglichen, in dem der Unsinn dieser Sätze erkannt wird. Im Laufe unserer Arbeit erweiterten wir die Reihe von historischen Momenten, die wir ursprünglich vorgesehen hatten, um das Werk des amerikanischen Philosophen und ‚philosophical critic‘ Stanley Cavell, da es damit möglich war, die Fragestellung bis in die Gegenwart zu führen. Wir haben die Serie unserer Debatten mit historisch jüngeren Positionen begonnen, um, auf diese Weise gewappnet, die historischen Vorläufer systematisch schärfer erfassen zu können. Das gilt auch für den nächsten Workshop vom 14.-16.2.2014 an der Universität Chicago, der dem Buch von Eli Friedländer ›Walter Benjamin – ein philosophisches Porträt‹ (2012) gewidmet ist.

Die bisherigen Workshops

Wittgenstein on the Literary, the Ethical and the Unsayable
University of Chicago, 2. – 4. Juni 2011 Weitere Informationen

Philosophische Literatur und literarische Philosophie
Universität Osnabrück und Universität Göttingen (in Kooperation mit dem Promotionsprogramm ›Theorie und Methodologie der Textwissenschaften und ihre Geschichte TMTG‹), 16. und 17. September 2011 Weitere Informationen

Stanley Cavell’s Aesthetics
University of Chicago, 2. – 4. März 2012

Nietzsche: Philosophischer Gehalt und literarische Form
In Kooperation mit dem Wissenschaftskolleg zu Berlin, 21. – 23.3.2013

Walter Benjamin as Philosopher
University of Chicago, 14.-16. Februar 2014 Weitere Informationen

La lecture insistante

Autour de Jean Bollack

Tagung, 11. – 18. Juli 2009, Centre Culturel International de Cerisy-la-Salle (Frankreich)

Von links nach rechts: Ulrich Wyss, Christoph König, Philippe Rousseau, Andreas Kablitz, Renate Schlesier, Joachim Küpper, John E. Jackson, Bertrand Marchal, Jean Bollack

Von links nach rechts: Erika Hültenschmidt, Arnau Pons, Heinz Wismann, Werner Wögerbauer, Rossella Saetta-Cottone, Jean Bollack, Christoph König, Denis Thouard, Theresa Orozco, Christian Benne

Von links nach rechts: Mayotte Bollack, Werner Wögerbauer, Tim Trzaskalik, Christoph König, Kristin Bischof, Christian Benne, Michael Woll

Fotos © Pontigny-Cerisy-Archiv

Das Potential europäischer Philologien

Tagung an der Universität Osnabrück von 25.- 28. April 2007