Forschungsstelle Vergleichende Fachgeschichte

unter der Leitung von Christian Dawidowski (Didaktik der deutschen Literatur) und Christoph König, gemeinsam mit Wolfgang Asholt (Romanistik), Arnulf von Scheliha (Evangelische Theologie) und Thomas Vogtherr (Geschichte)

Die Forschungsstelle wurde eingerichtet, um die gemeinsamen Forschungsinteressen der beteiligten Professoren zu bündeln. Dabei richtet sich der Blick der angestrebten wissenschaftsgeschichtlichen Komparatistik nach innen und nach außen. Der Blick (a) nach außen ist auf Disziplinen gerichtet, die das Verständnis von Texten in ihre Arbeitsweise integrieren. Das sind andere Philologien, die hierzulande als Fremdsprachenphilologien auftreten, Theologien, die Geschichtswissenschaft, die Rechtswissenschaft und andere mehr. Der Blick (b) nach innen rechnet mit einer relativ stabilen Institutionalisierung von sogenannten ›Teilfächern‹, die auch für alle an der Forschungsstelle beteiligten Disziplinen relevant sind. Einerseits ist also davon auszugehen, dass Theorie, Methodik und Gegenstandswahl der internationalen germanistischen Praxis sich im Studium anderer Philologien sowie geisteswissenschaftlicher, textbezogener Wissenschaften deutlicher zeigen, aber auch in Frage gestellt werden können; das gilt umgekehrt in gleichem Maße, wenn diese Fächer von außen auf die Germanistik blicken. Und andererseits erhellt das innere Gefüge von Teilfächern Prozesse, in denen wissenschaftspraktische, gesellschaftliche und strategische Ziele umgesetzt werden, deutlicher, wenn man die nach Disziplinen unterschiedlichen Umsetzungen erfasst.

Von der Germanistik ausgehend, gliedern zunächst zwei Projektfelder das Programm; sie sind einerseits topographisch-historisch und andererseits methodologisch konzipiert:

A. Die Interpretationskompetenz in den Textwissenschaften der europäischen Länder soll in Bezug auf Wissenschaftsparadigmen, Universitätscurricula, Bildungsnormen und die (technische) Ausbildung erforscht werden. Wir knüpfen an die Osnabrücker Tagung 2007 (und an die dort gefasste ›Osnabrücker Erklärung‹) an, die historisch orientiert war, und verbinden das Historische erstmals mit einer wissenschaftspolitisch motivierten aktuellen, komparatistischen Bestandsaufnahme. Die Osnabrücker Tagung 2012 (›Bildung durch Dichtung – Literarische Bildung‹) mündete entsprechend in die ›Osnabrücker Thesen zur Lage literarischer Bildung‹ ein und kann als eine erste Station der Kooperation verstanden werden.

B. Wir rücken das methodische Paradox von Bildungsauftrag und Wissenschaft in den Mittelpunkt. Besteht der Bildungsauftrag in der Förderung von Interesse und Begeisterung für den Gegenstand (etwa die Literatur), so unterwirft die Wissenschaft den Gegenstand einer analytischen, historischen, ›desillusionierenden‹ Analyse. So lautet die herkömmliche Trennung. Gelingt es, die beiden Zugänge als Seiten einer Medaille zu konzipieren, kann die Forschung in der Schule bzw. in der Applikation im allgemeinen ein Experimentierfeld für Lektüre-, Glaubens- und Denkformen erkennen, und zugleich wird es möglich, an der Universität Bildungswerten in kritischer Sicht eine methodische Valenz zu geben. So lässt sich auch ein methodisch reflektiertes Bewusstsein in der Literaturdidaktik und in Anwendungsdisziplinen anderer Wissenschaften entwickeln für die Gewordenheit (und Hinterfragbarkeit) der Vermittlungsprozesse in der – methodisch notwendigen – Auseinandersetzung mit der philologischen, theologischen oder historischen ›Mutterwissenschaft‹.

Weitere Informationen folgen in Kürze auf einer Internetseite der Forschungsstelle.